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Homotherium
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Homotherium ist eine Gattung der ausgestorbenen SĂ€belzahnkatzen aus dem PliozĂ€n und PleistozĂ€n. Überreste der auch als Scimitarkatze bekannten Gattung wurden in Afrika, Asien, Europa und Amerika gefunden. Sie erreichte etwa die GrĂ¶ĂŸe eines Löwen und ĂŒberlebte in Nordamerika bis zum Ende der letzten Eiszeit (Wisconsin-Glazial) vor etwa 12.000 Jahren.

Contents

‱ Merkmale
‱ Lebensweise
‱ Systematik
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Merkmale

Homotherium war sehr groß. Große Formen aus dem AltpleistozĂ€n, die im thĂŒringischen Untermaßfeld gefunden wurden, werden auf etwa 200–400 kg geschĂ€tzt.cite-ref-1[1]cite-ref-2[2] Die Tiere erreichten eine GesamtlĂ€nge von etwa 1,5 bis 2,0 m und eine Schulterhöhe von 0,9 bis 1,1 m, was der GrĂ¶ĂŸe eines heutigen Löwen oder Tigers entspricht.cite-ref-serangeli-et-al-2015b-3-0[3] Die Gestalt war katzenartig, doch verglichen mit anderen SĂ€belzahnkatzen weist die Scimitarkatze einige morphologische Besonderheiten auf. Obwohl es sich um ziemlich große und krĂ€ftige Tiere handelte, waren sie wesentlich schlanker und hochbeiniger als zum Beispiel Smilodon oder Megantereon, die zur gleichen Zeit ebenfalls in Eurasien, Afrika und Amerika verbreitet waren. Wie bei Smilodon waren die Vorderbeine lĂ€nger als die Hinterbeine, was zu einer abfallenden RĂŒckenlinie fĂŒhrte. Im Gegensatz zu dieser Gattung hatte Homotherium relativ kurze EckzĂ€hne, die auch stĂ€rker gekrĂŒmmt, flach, gezackt und messerscharf waren. Mit diesen Waffen konnte es seinen Opfern wohl eher Reisswunden als tiefe Stoßwunden zufĂŒgen. Die BackenzĂ€hne waren relativ schwach ausgebildet und nicht geeignet, um Knochen zu zerbeißen. Der SchĂ€del war langgestreckter als bei Smilodon. Wie bei anderen SĂ€belzahnkatzen war der Schwanz ziemlich kurz.

Die Krallen scheinen bei Homotherium nicht vollstÀndig einziehbar gewesen zu sein, was der Wissenschaft gewisse RÀtsel aufgibt. Möglicherweise dienten sie, Àhnlich wie bei heutigen Geparden, Hunden und HyÀnen, als Spikes, um ausdauernde Verfolgungen zu ermöglichen.cite-ref-anton-4-0[4]

Arten und Verbreitung

Homotherium ist seit dem frĂŒhesten PliozĂ€n vor rund 5 Millionen Jahren in Afrika nachgewiesen und dĂŒrfte sich aus Machairodus entwickelt haben.cite-ref-turner-5-0[5] Bis ins PleistozĂ€n bewohnte es neben dem afrikanischen Kontinent auch Eurasien und Nordamerika. Die letzten Funde aus Afrika sind 1,5 Millionen Jahre alt.

Homotherium latidens

Aus Eurasien wurde eine Reihe von verschiedenen Arten (nestianus, sainzelli, crenatidens, nihowanensis, ultimum) beschrieben, die sich vor allem in der KörpergrĂ¶ĂŸe und der Form der EckzĂ€hne unterschieden. Betrachtet man jedoch die innerartliche Schwankungsbreite der KörpergrĂ¶ĂŸe heutiger Großkatzen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass alle sich auf eine einzige Art Homotherium latidens zurĂŒckfĂŒhren lassen. Aus dem frĂŒhen PleistozĂ€n Afrikas wurden Homotherium ethiopicum und Homotherium hadarensis beschrieben, die sich aber auch nur wenig von den eurasischen Formen unterscheiden.cite-ref-turner-5-1[5]

Aus der Überlieferung von Fossilien ergibt sich im Gesamtbild, dass Homotherium latidens als europĂ€ische Art der SĂ€belzahnkatze im MittelpleistozĂ€n vor etwa 500.000–300.000 Jahren ausgestorben ist. Obwohl Homotherium latidens im Alt- und frĂŒhen MittelpleistozĂ€n weit verbreitet war und ihre Überreste relativ hĂ€ufig gefunden werden, sind vollstĂ€ndige Skelettfunde selten. Mehrere SchĂ€del wurden in der katalanischen Fundstelle Incarcal (Provinz Girona) gefunden,cite-ref-6[6] weitere Fossilreste stammen aus SenĂšze (Auvergne). Zu den chronologisch jĂŒngsten, in gesichertem Kontext gefundenen Fossilien gehören jene aus Steinheim an der Murrcite-ref-7[7] und aus Schöningen (Niedersachsen), dem Fundort der Schöninger Speere. Beide Fundstellen sind rund 300.000 Jahre alt, an letzterer wurden 2012 vier ZĂ€hne sowie wenige Beinknochen entdeckt.cite-ref-serangeli-et-al-2015b-3-1[3]

Diesen letzten gesicherten Fossilfunden aus dem MittelpleistozĂ€n stehen einige Funde und Befunde gegenĂŒber, die ein Überleben von Homotherium bis in jĂŒngere Zeiten postulieren. Einige ZĂ€hne wurden aus oberpleistozĂ€nen Schichten der englischen Kents Cavern berichtet, hier ergaben Untersuchungen an Spurenelementen abweichende Werte zu zeitgleich abgelagerten Fossilien wie von HyĂ€nen, so dass die Objekte wohl von außerhalb anthropogen eingebracht worden waren.cite-ref-8[8] Im Jahre 2003 wurde ein Unterkieferfragment aus der Nordsee publiziert, das im MĂ€rz 2000 in der Fahrrinne zum Hafen von Rotterdam beim Netzfischen entdeckt worden war und mit der Radiokarbonmethode auf nur etwa 28.000 BP datiert wurde.cite-ref-9[9]cite-ref-10[10] Sofern die BefundumstĂ€nde authentisch sind und das Fossil nicht erst in der Neuzeit durch Menschen an diese Stelle gelangt ist, wĂŒrde es zeigen, dass die SĂ€belzahnkatze noch Zeitgenosse des europĂ€ischen Cro-Magnon-Menschen war. Als weiterer Hinweis auf das Überleben der SĂ€belzahnkatze im JungpleistozĂ€n Eurasien wurde eine etwa 16 cm große jungpalĂ€olithische Figurine aus der Höhle von Isturitz in den französischen PyrenĂ€en angefĂŒhrt.cite-ref-11[11] Die hohe Schnauzenpartie solle an eine SĂ€belzahnkatze erinnern. Dieser Interpretation widersprechen die Autoren einer Studie aus dem Jahre 2009, die bei der Revision der jungpalĂ€olithischen Kunst keine deutlichen Übereinstimmungen zu Homotherium fanden.cite-ref-ant-n-2009-12-0[12] Die angefĂŒhrte Figur, die dem tschechischen Zoologen und Autor Vratislav MazĂĄk nur als Foto vorlag,cite-ref-13[13] weist eine fĂŒr Höhlenlöwen charakteristische RĂŒckenlinie auf, wĂ€hrend SĂ€belzahnkatzen eine abfallende RĂŒckenlinie haben. Im Übrigen gibt es bei der betrĂ€chtlichen Zahl von Felidendarstellungen in der jungpalĂ€olithischen Kleinkunst und Höhlenmalerei keine einzige weitere Abbildung, die Hinweise auf die SĂ€belzahnkatze enthĂ€lt. Dagegen gibt es zahlreiche Abbildungen des Höhlenlöwen. Falls Homotherium im JungpleistozĂ€n Eurasiens vorkam, muss es extrem selten gewesen sein.cite-ref-ant-n-2009-12-1[12] DemgegenĂŒber zeigt eine Eismumie, die im Jahr 2020 im Permafrost an der Badjaricha, ein Nebenfluss der Indigirka, in der Republik Sacha gefunden wurde, dass die Art im spĂ€ten OberpleistozĂ€n zumindest noch im nördlichen Sibirien anwesend war. Das vermutlich nur drei Wochen alte Tier ist mit dem Kopf sowie dem vorderen Rumpf und Gliedmaßen erhalten und starb den Radiocarbondaten zufolge vor 37.020 bis 35.470 Jahren.cite-ref-lopatin-et-al-2024-14-0[14]

Homotherium serum

In Nordamerika lebte vom obersten PliozĂ€n bis zum oberen PleistozĂ€n eine sehr Ă€hnliche Art Homotherium serum. Ihre Überreste wurden an zahlreichen Stellen zwischen Alaska und Texas gefunden. Das amerikanische Homotherium kam im sĂŒdlichen Nordamerika wohl neben Smilodon vor. Im Norden des Kontinents war sie dagegen die einzige SĂ€belzahnkatze. FrĂŒher wurde die amerikanische Art oft als Dinobastis bezeichnet. Homotherium dĂŒrfte sich im PliozĂ€n aus Machairodus entwickelt haben. In Nordamerika ĂŒberlebte Homotherium bis vor etwa 12.000 Jahren, so dass ihm die Bevölkerung der Clovis-Kultur noch begegnete.

Ein besonders bekannter Fundort von Homotherium serum ist die Friesenhahn-Höhle im heutigen Texas. Hier wurden neben den Überresten von hunderten junger Mammuts die Skelette von 30 Homotherium und etliche Exemplaren des pleistozĂ€nen Wolfes Aenocyon dirus gefunden.

Weitere Arten

JĂŒngst wurde Homotherium erstmals auch in SĂŒdamerika nachgewiesen. Die Form wurde mit dem Artnamen Homotherium venezuelensis belegt. Die Fossilien stammen aus dem frĂŒhen bis mittleren PleistozĂ€n und wurden gemeinsam mit anderen Arten, wie etwa der SĂ€belzahnkatze Smilodon an der Fundstelle El Breal de Orocual in Monagas im Norden Venezuelas gefunden. Die Landschaft in der Homotherium dort lebte, dĂŒrfte einer Savanne, Ă€hnlich den heutigen Llanos, geglichen haben.cite-ref-15[15]

PalÀobiologie

Weichteilrekonstruktion

HĂ€ufig werden fĂŒr Homotherium wie fĂŒr andere SĂ€belzahnkatzen auch in Lebendrekonstruktionen die oberen starken EckzĂ€hne unbedeckt und damit als Ă€ußerlich sichtbares Merkmal bei geschlossenem Maul angegeben.cite-ref-16[16] Inwiefern dies tatsĂ€chlich so war, wird diskutiert. Bei heutigen Großkatzen bedecken die muskulösen Lippen die EckzĂ€hne bei Gebissschluss. Die oberen EckzĂ€hne werden hierbei von einer zungenartigen Tasche aus Muskeln und Bindegewebe an der Innenseite der unteren Lippe aufgenommen. Die Lippen sind zudem sehr flexibel, so dass die ZĂ€hne bei Bedarf gezeigt werden können. Eine vergleichbare Maulstruktur ist auch fĂŒr Homotherium anhand Ă€hnlich krĂ€ftiger Muskelmarken am SchĂ€del anzunehmen, vor allem im Bereich der Augenfenster. Das vordere Rostrum mit den Schneide- und EckzĂ€hnen war bei Homotherium aber sehr breit und kastenförmig gestaltet, ebenso wie der Unterkiefer. Eine den heutigen Großkatzen Ă€hnelnde untere Lippe wĂ€re jedoch zu breit, um in den sich anatomisch ergebenden schmalen Schlitz zwischen dem Unterkiefer und den oberen EckzĂ€hnen Platz zu finden. Als wahrscheinlicher ist daher zu erachten, dass die untere Lippe die oberen EckzĂ€hne beim geschlossenen Maul Ă€ußerlich umgab, was das Gebiss dann vollstĂ€ndig verborgen hĂ€tte. Abweichend davon wies Smilodon eine schmale Schnauze und einen ebensolchen Unterkiefer auf, die oberen EckzĂ€hne standen dem gegenĂŒber weit auseinander. Dadurch dĂŒrften die oberen EckzĂ€hne bei dieser Form unbedeckt gewesen sein.cite-ref-17[17]

Anhand einer Eismumie vom Ufer der Badjaricha in der russischen Republik Sacha konnte erstmals das Ă€ußere Erscheinungsbild eines Jungtiers studiert werden, zudem ist es der erste Fall, dass der Habitus einer Tierart ĂŒberliefert blieb, fĂŒr die es keine rezenten Analogien in der Natur gibt. Das bezogen auf den Zahndurchbruch beim heutigen Löwen wohl rund drei Wochen alte Jungtier besitzt einen gut 11 cm langen Kopf und zeichnet sich durch eine große Schnauze, kleine Ohren, einen krĂ€ftigen Hals, der zweimal so dick ist wie bei einem gleichalten Löwenjungen, und verlĂ€ngerte Vorderbeine aus. Das Fell weist einen dunkelbraunen Farbton auf und besteht aus kurzen, gut 20 bis 30 mm langen Haaren. Das RĂŒckenfell ist lĂ€nger als das Fell der Beine. Auf der Oberlippe sind zwei Reihen von Vibrissen ausgebildet. Generell wirkt das Haar an den Maulwinkeln relativ lang. Die Struktur des Fells ist wenig differenziert, es besteht weitgehend nur aus Leithaaren ohne Unterwolle. Hier finden sich Übereinstimmungen mit Ă€hnlich alten Jungen des Löwen, aber Unterschiede zu solchen des Höhlenlöwen, die eine Unterwolle aufweisen. Zudem ist bei den Haaren des Homotherium-Jungtiers der Markkanal kaum ausgeprĂ€gt, wodurch die WĂ€rmeisolation wohl stark gemindert war. Löwenjungen wiederum besitzen MarkkanĂ€le in ihren Haaren. Dies verleiht ihrem Fell eine bessere Schutzfunktion vor Überhitzung.cite-ref-18[18] Das insgesamt 9,4 cm lange Vorderbein endet in einer 6,3 cm langen und 5,7 cm breiten Pfote. Die inneren Zehenpolster sind eher quadratisch geformt im Gegensatz zu den ovalen beim Löwen. Das Polster an der Mittelhand ist hingegen bohnenförmig. Abweichend vom Löwen und anderen Katzen fehlt das Polster am Handgelenk. Die Krallen stimmen in ihrer Gestalt mit jenen des Löwen ĂŒberein.cite-ref-lopatin-et-al-2024-14-1[14]

Lebensweise

Besonders die Funde aus der Friesenhahn-Höhle lassen RĂŒckschlĂŒsse auf die Lebensweise und insbesondere auf die ErnĂ€hrungsgewohnheiten dieser Tiere zu. Neben etlichen Skeletten von knapp drei Dutzend jungen und erwachsenen Homotherium wurden in dieser Höhle die Reste von Ă€hnlich vielen jungen PrĂ€riemammuts (Mammuthus columbii) gefunden (eine ursprĂŒngliche Angabe von 200 bis 400 Mammut-Individuen erwies sich nach einer erneuten ÜberprĂŒfung des Knochenmaterials als zu hoch). Diese waren fast alle ungefĂ€hr 2 Jahre alt, was genau dem Alter entspricht, in dem sich rezente junge Elefanten gelegentlich von ihren MĂŒttern entfernen und erste Erkundungen abseits der Herde wagen. In einigen Gebieten Afrikas fallen auch junge Afrikanische Elefanten in diesem Alter teilweise Löwen zum Opfer, was einen gewissen Vergleich bezĂŒglich der ErnĂ€hrungs- und Jagdweise von Homotherium und einigen Löwenpopulationen ermöglicht. Das legt nahe, dass die SĂ€belzahnkatzen befĂ€higt waren, jungen PrĂ€riemammuts mit ihren langen EckzĂ€hnen schnell tödliche Wunden beizubringen. Ob sie dabei in Gruppen oder einzeln jagten, ist anhand der Fossilfunde aber nicht klĂ€rbar. Das hĂ€ufige Auftreten von ursprĂŒnglich fleischreichen Gliedmaßenknochen lĂ€sst annehmen, dass Homotherium seine Opfer am Tötungsort zerlegte und nur die nahrungsreichen Elemente in die Höhle transportierte. Da außer den PrĂ€riemammuts und einigen Amerikanischen Mastodonten (Mammut americanum) nur wenige andere Beutetiere dort gefunden wurden, kann man im Grunde ausschließen, dass sich die Tiere ausschließlich von verendeten Tieren ernĂ€hrt haben. Eine derartige Spezialisierung der Beute in Arten- und Altersstruktur ist nicht mit einem Aasfressertum zu vereinbaren. Dadurch war Homotherium offensichtlich auf Beutetiere spezialisiert, die etwa die GrĂ¶ĂŸe eines heutigen KaffernbĂŒffels erreichten.cite-ref-19[19] Die Annahmen aus den Befunden der Friesenhahn-Höhle ließen sich durch Isotopenanalysen und Untersuchungen der Abnutzungsspuren der ZĂ€hne weitgehend bestĂ€tigen. Die Isotopenanalysen zeigten auf, dass Homotherium vor allem große Pflanzenfresser offener Landschaften bevorzugte. Die Zahnabnutzungsspuren wiederum sprechen fĂŒr eher weiche bis zĂ€he Nahrung, dementsprechend also ĂŒberwiegend Fleisch und Haut. Das entspricht in etwa den Nahrungsgewohnheiten heutiger Geparden, die nicht auf Knochen herumnagen, weicht aber von Löwen und HyĂ€nen ab, die hĂ€ufiger auch harte Materialien zerbeißen. Die ErnĂ€hrungsweise von Homotherium unterscheidet sich wiederum von der des nĂ€her verwandten Smilodon, der eher in WĂ€ldern auf Jagd ging und zudem Knochen zerkaute.cite-ref-20[20]

Genetische Untersuchung an Fossilresten aus dem Yukon Territory in Kanada erbrachten einzelne Hinweise, die auf die Lebensweise schließen lassen. Demnach war der Sehsinn gut ausgeprĂ€gt, was unter anderem auch der vergrĂ¶ĂŸerte und komplexe Visuelle Cortex der Großhirnrinde befĂŒrwortet. Außerdem fanden sich Gene, die eine Circadiane Rhythmik unterstĂŒtzen. Homotherium trat dadurch offensichtlich und im Unterschied zu vielen heutigen Großkatzen als tagaktiver JĂ€ger auf. Andere Gene wiederum sind positiv mit dem Atemtrakt, der Sauerstoffzufuhr und der Blutbildung verbunden und haben RĂŒckwirkungen auf das Muskel- und Skelettsystem. Sie verweisen auf eine generell schnelle (cursoriale) Fortbewegungsweise. In Verbindung mit einigen skelettanatomischen Kennzeichen wie der nach hinten abfallenden RĂŒckenlinie, dem schlanken Bau der Gliedmaßen sowie den weniger gut einziehbaren Krallen kann dies auf einen ausdauernden LĂ€ufer in offenen LebensrĂ€ume, wie Steppen, hinweisen.cite-ref-anton-4-1[4] Andere genetische Befunde betreffen die Kognition, das Nervensystem und das Verhalten. Auch wenn schwer genetisch belegbar, untermauern sie jedoch die Vermutung, dass Homotherium ein in Rudeln lebendes Tier war und ĂŒber eine komplexe soziale Interaktion verfĂŒgte.cite-ref-barnett-et-al-2020-21-0[21]

Gelegentlich finden sich pathologische KnochenverĂ€nderungen im Bereich der Gelenke wie an einem Schulterblatt aus Schöningen belegt. Diese können auf traumatische Ereignisse oder Osteoarthritis zurĂŒckgefĂŒhrt werden. Gelenkerkrankungen an den vorderen Gliedmaßen, hier vor allem der Ellenbogen, sind bei heutigen Hauskatzen relativ hĂ€ufig und gehen auf die Lauerjagd mit anschließendem starken Einsatz der Vorderbeine zurĂŒck. Andere Ă€ußere Einwirkungen finden sich unter anderem in abgebrochenen EckzĂ€hnen, die wohl ein Resultat von RivalenkĂ€mpfen oder einer starken Wehr der Beutetiere bilden.cite-ref-22[22]

Systematik

Homotherium ist eine Gattung aus der Unterfamilie der SĂ€belzahnkatzen (Machairodontinae) und der Familie der Katzen (Felidae). Die ausgestorbene Gruppe der SĂ€belzahnkatzen, charakterisiert durch ihre stark verlĂ€ngerten und seitlich abgeplatteten oberen EckzĂ€hne und damit verbundene Anpassungen der SchĂ€delmorphologie, sind im Verlauf des Mittleren MiozĂ€ns vor rund 15 Millionen Jahren erstmals fossil fassbar. Ihr Verbreitungsgebiet umfasste Eurasien, Afrika und Nordamerika sowie SĂŒdamerika. Sie gelten als ein Seitenzweig der Katzen. Laut molekulargenetischen Analysen trennte sich dieser bereits im Unteren MiozĂ€n vor rund 20 Millionen Jahren von der Linie der ĂŒbrigen Katzen ab, was somit noch vor dem Zeitpunkt geschah, zu dem sich die heutigen Katzen stĂ€rker diversifizierten. Traditionell werden die SĂ€belzahnkatzen in zwei bis drei Triben aufgeteilt: die Homotheriini, die Smilodontini und die Metailurini. Die Homotheriini mit Homotherium als Charakterform zeichnen sich dabei durch sĂ€belzahnartige, die Smilodontini als Verwandtschaftsgruppe um Smilodon durch eher dolchartige und die Metailurini, deren Typusform Metailurus darstellt, durch deutlich kĂŒrzere EckzĂ€hne aus. Letztere wirkten dadurch eher vergleichbar mit heutigen Großkatzen (Pantherinae) und werden daher manchmal auch außerhalb der SĂ€belzahnkatzen gestellt. Die Homotheriini und die Smilodontini spalteten sich gemĂ€ĂŸ der genetischen Daten bereits vor 18 Millionen Jahren voneinander ab. Die weit zurĂŒckreichende Trennung befĂŒrwortet somit auch die Aufteilung der SĂ€belzahnkatzen in verschiedene Triben.cite-ref-24[24]cite-ref-paijmans-et-al-2017-25-0[25]cite-ref-piras-et-al-2018-26-0[26]cite-ref-barnett-et-al-2020-21-1[21]

Homotherium unterscheidet sich von anderen Vertretern der Tribus durch grĂ¶ĂŸere und stĂ€rker bogenförmig angeordnete obere und untere SchneidezĂ€hne, das reduzierte Diastema zwischen dem hintersten oberen Schneidezahn und dem Eckzahn, deutlicher abgeplattete obere EckzĂ€hne und den Verlust des vorderen (zweiten) PrĂ€molaren im Ober- und Unterkiefer zuzĂŒglich einiger weiterer besonderer Merkmale am SchĂ€del. Die Form trat erstmals im Unteren PliozĂ€n vor etwa 5 bis 4 Millionen Jahren auf, frĂŒhe Funde stammen aus Odessa in der Ukraine und aus Koobi Fora in Kenia. Sie weist das grĂ¶ĂŸte bekannte Verbreitungsgebiet aller SĂ€belzahnkatzen auf, das sich ĂŒber die drei klassischen Kontinentalbereiche Eurasien, Afrika und Nordamerika erstreckte, zusĂ€tzlich aber auch den nördlichen Teil SĂŒdamerikas streifte.cite-ref-27[27] Traditionell werden mehrere Arten unterschieden. Bei einigen frĂŒhen Vertretern waren die dritten PrĂ€molaren noch vergrĂ¶ĂŸert, wodurch sich diese von den spĂ€teren Angehörigen mit kleineren PrĂ€molaren absetzen und eine Abtrennung als Chronospezies rechtfertigen. Teilweise wird diese mit Homotherium davitasvilii bezeichnet. Vor allem die Aufteilung der spĂ€ten Formen in die weitgehend auf Nordamerika beschrĂ€nkte Art Homotherium serum und den eurasischen Vertreter Homotherium latidens ist nach einigen Wissenschaftlern als kritisch anzusehen. SchĂ€delmorphologische Untersuchungen aus dem Jahr 2014 an Fundmaterial aus Incarcal im nordöstlichen Spanien und aus der Umgebung von Fairbanks in Alaska im Vergleich mit weiterem Fossilresten zeigen, dass eine hohe Variationsbreite innerhalb dieser spĂ€teren Vertreter von Homotherium besteht, die eine Aufteilung in separate Arten nicht begrĂŒndet. Demnach wĂŒrden alle diese Formen dem eurasischen Homotherium latidens entsprechen. Mitunter ist die Variation so stark, dass diese auch die Villafranchium-Form Homotherium crenatidens mit einschließt. Allerdings scheinen einige Unterschiede zu den Angehörigen aus sĂŒdlicheren Gebieten in Nordamerika zu bestehen, was wiederum fĂŒr die EigenstĂ€ndigkeit von Homotherium serum in diesem Bereich spricht.cite-ref-anton-et-al-2014-28-0[28] Dem gegenĂŒber erwiesen sich in den bereits erwĂ€hnten genetischen Studien die Homotherium-Formen aus Nordamerika und Eurasien so stark miteinander verzahnt, dass dies wiederum keine Aufteilung in unterschiedliche Arten unterstĂŒtzt.cite-ref-paijmans-et-al-2017-25-1[25] BezĂŒglich Homotherium latidens konnte eine recht hohe genetische VariabilitĂ€t festgestellt werden, die die heutiger Großkatzen ĂŒbertrifft. Es kann dadurch angenommen werden, dass die Art eventuell hĂ€ufiger vorkam, als es der bisherige Fossilbericht vermuten lĂ€sst. Ob allerdings das im Vergleich zu anderen SĂ€belzahnkatzen wie Smilodon bisher wenige Fossilmaterial ein Resultat der Erhaltungsbedingungen bildet, ist momentan unklar. Denkbar ist auch, dass das extrem große Verbreitungsgebiet von Homotherium von tropischen bis hin zu subarktischen Regionen große und weitrĂ€umige Wanderungsbewegungen der einzelnen Gruppen voraussetzte und so einen Genfluss mit weit entfernten Populationen ermöglichte.cite-ref-barnett-et-al-2020-21-2[21] Die genetische Trennung der eurasischen und nordamerikanischen Vertreter erfolgte allerdings bereits im AltpleistozĂ€n vor gut 1,68 Millionen Jahren.cite-ref-29[29]

Die Gattung Homotherium wurde im Jahr 1890 durch Emilio Fabrini wissenschaftlich erstbeschrieben. Er untersuchte dabei die oberpliozĂ€nen und unterpleistozĂ€nen Funde von SĂ€belzahnkatzen, besonders vom Gebiet des Arno in der Toskana, und separierte in deren Folge die grĂ¶ĂŸeren Formen als Homotherium von der damals bereits bekannten Gattung Machairodus.cite-ref-30[30] Bereits zuvor im Jahr 1846 hatte Richard Owen die ersten Fossilien von Homotherium in Form von ZĂ€hnen aus Kents Cavern in England untersucht, diese aber damals zu der von ihm neu kreierten Art Machairodus latidens gestellt.cite-ref-31[31] Die Bezeichnung Homotherium wurde nach ihrer EinfĂŒhrung nur selten gebraucht. Erst mit Neufunden vom Omo in Äthiopien und aus Saint Vallier in Frankreich in den 1940er und 1950er setzte sie sich durch.cite-ref-anton-et-al-2014-28-1[28]

Literatur

‱ Miles Barton: Wildes Amerika. Zeugen der Eiszeit. Vgs, Köln 2003, ISBN 3-8025-1558-7.
‱ Alan Turner: The big cats and their fossil relatives. Columbia University Press, New York NY 1997, ISBN 0-231-10229-1.

Weblinks

Commons

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Homotherium

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Homotherium auf „cenozoicpark“
‱ Homotherium-Skelett aus der Friesenhahn-Höhle
‱ Bei Grabungen im ostniedersĂ€chsischen Schöningen wurden 2014 von ArchĂ€ologen 300.000 Jahre alte Überreste der SĂ€belzahnkatze „Homotherium latidens“ freigelegt., auf: focus.de vom 8. Juli 2014 – dieser Schöninger Fund ist der erste seiner Art in Norddeutschland
‱ Martin Vieweg: SĂ€belzahnkatzen im genetischen Spiegel, auf: wissenschaft.de vom 15. Oktober 2020
‱ Ross Barnett, Michael V. Westbury, Marcela Sandoval-Velasco, Jong Bhak, Nobuyuki Yamaguchi, M. Thomas P. Gilbert et al.: Genomic Adaptations and Evolutionary History of the Extinct Scimitar-Toothed Cat, Homotherium latidens, in: Curr. Biol., 15. Oktober 2020, doi:10.1016/j.cub.2020.09.051

Einzelnachweise

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